LITTERÆ
Multilingual literary magazine
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Am Ende bleibt der Hunger: Auszüge aus der Nobel-Vorlesung
von Günter Grass
Mit dieser Ankündigung zogen sich im 19. Jahrhundert Prosawerke in die Länge. Unterm Strich boten Journale und Wochenblätter Platz. Der Fortsetzungsroman stand in Blüte. (...) Doch hielten nicht nur triviale Schauergeschichten und herzergreifende Passionen den Leser in Bann. Etliche Dickens-Romane sind so, in Häppchen, erschienen. Tolstois "Anna Karenina" war ein Fortsetzungsroman. Balzacs Zeit als fleißiger Zulieferer für fortgesetzte Massenware mag ihn, noch namenlos, die Technik erhöhter Spannung, knapp vor dem Abbruch der Spalte, gelehrt haben. Und auch fast alle Fontane-Romane sind zuerst in Zeitungen und Zeitschriften abgedruckt und fortgesetzt worden. (...)
Von Anfang an wurde erzählt. Lange bevor sich das Menschengeschlecht im Schreiben übte und nach und nach alphabetisierte, erzählte jeder jedem, und jeder hörte dem anderen zu. (...)
Erhalten hat sich für uns, die wir so extrem schriftlich fixiert sind, die Erinnerung an das mündliche Erzählen, an den oralen Ursprung der Literatur. Doch sollten wir vergessen haben, dass alles Erzählen von Anbeginn über die Lippen gekommen ist, mal gaumig, stockend, dann wieder hastend, wie von Angst getrieben, auch flüsternd, als müsse das preisgegebene Geheimnis vor allzu vielen Mitwissern geschützt werden, nun wiederum laut, zwischen auftrumpfenden Ausrufen oder Fragen, die schon immer mit gebogenem Rüssel den ersten und letzten Dingen nachschnüffelten - sollten wir all das schriftgläubig vergessen haben, dann wäre unser Erzählen papieren nur und nicht von feuchtem Atem getragen.Wie gut, dass uns Bücher genug zur Hand sind, die, leise wie laut gelesen, Bestand haben. Sie waren mir beispielhaft. Meister wie Melville oder Döblin, aber auch Luthers Bibeldeutsch, haben mich, als ich jung und belehrbar war, angestoßen, vor mich hin sprechend zu schreiben, die Tinte mit der Spucke zu mischen. Und dabei ist es geblieben. Bis ins fünfte Jahrzehnt meiner lustvoll ertragenen Schreibfron kaue ich zähfaserige Satzgefüge zu fügsamem Brei, brabbel in schönster Schreibeinsamkeit vor mich hin und lasse nur zu Papier kommen, was auch gesprochen seine wechselnde Tonlage gefunden, Hall und Echo bewiesen hat. (...)
Mit der Veröffentlichung meiner ersten beiden Romane "Die Blechtrommel" und "Hundejahre" und der dazwischengeschobenen Novelle "Katz und Maus" lernte ich früh, als immer noch relativ junger Schriftsteller, dass Bücher Anstoß erregen, Wut, Hass freisetzen können. Was aus Liebe dem eigenen Land zugemutet ward, wurde als Nestbeschmutzung gelesen. Seitdem gelte ich als umstritten. Dabei befinde ich mich, was nach Sibirien oder sonstwohin verwünschte Schriftsteller betrifft, in guter Gesellschaft. Wir sollten uns deswegen nicht beklagen. Vielmehr dürfen wir den Zustand des permanenten Umstrittenseins als belebend empfinden und auch dem Risiko unserer Berufswahl angemessen. Es ist nun mal so, dass die Autoren des bloßen Wortgeschehens den Mächtigen, die stets auf der Siegerbank ihr Platzrecht behaupten, gerne und wohlbedacht in die Suppe spucken.
Ich komme aus dem Land der Bücherverbrennung. Wir wissen, dass die Lust, das verhasste Buch in dieser oder jener Form zu vernichten, immer noch oder schon wieder dem Zeitgeist gemäß ist und gelegentlich telegenen Ausdruck, das heißt Zuschauer findet. Weit schlimmer jedoch ist, dass die Verfolgung von Schriftstellern bis hin zur angedrohten oder vollzogenen Ermordung in aller Welt zunimmt und sich alle Welt an diesen fortgesetzten Terror gewöhnt hat. (...)
Was jedoch macht Bücher und mit ihnen Schriftsteller dergestalt gefährlich, dass Staat und Kirche, Medienkonzerne und Politbüros sich zu Gegenmaßnahmen gezwungen sehen? (...) Oft reicht der literarische Nachweis, dass die Wahrheit nur im Plural existiert (...), um einen solch erzählerischen Befund als Gefahr zu werten, als eine tödliche für die jeweiligen Hüter der einen und einzigen Wahrheit. Auch dass Schriftsteller - was ihres Berufes ist - die Vergangenheit nicht ruhen lassen können, zu schnell vernarbte Wunden aufreißen, in versiegelten Kellern Leichen ausgraben, verbotene Zimmer betreten, heilige Kühe verspeisen, (...) ihnen also generell nichts, selbst nicht der Kapitalismus heilig ist, all das macht sie anrüchig, strafwürdig. Ihr schlimmstes Vergehen jedoch bleibt, dass sie sich in ihren Büchern nicht mit den jeweiligen Siegern im historischen Verlauf gemein machen wollen, sich vielmehr dort mit Vergnügen herumtreiben, wo die Verlierer geschichtlicher Prozesse am Rande stehen, zwar viel zu erzählen hätten, doch nicht zu Wort kommen. (...) Gewiss haben die Mächtigen, gekleidet in dieses oder jenes Zeitkostüm, generell nichts gegen die Literatur. Sie wünschen sich sogar eine als Zimmerschmuck. (...) Gegenwärtig soll sie unterhaltsam sein, der Spaßkultur dienlich, also nicht nur das Negative sehen, vielmehr den Menschen in ihrer Not ein Hoffnungslichtlein stecken. (...)
Die noch junge Nachkriegsliteratur tat sich schwer mit der deutschen Sprache, die unter der Herrschaft des Nationalsozialismus korrumpiert worden war. Zudem stand Bölls Generation, aber auch den jüngeren Autoren, zu denen ich mich zählte, ein Satz von Theodor Adorno als Verbotstafel im Wege. Ich zitiere: "Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben ist barbarisch, und das frisst auch die Erkenntnis an, warum es unmöglich ward, heute Gedichte zu schreiben ... "
Also kein "Fortsetzung folgt ..." mehr. Nun, wir haben dennoch geschrieben. (...) Schweigen wollte, konnte keiner. Ging es doch darum, die deutsche Sprache aus dem Gleichschritt zu bringen, sie aus Idyllen und blaustichiger Innerlichkeit herauszulocken. Uns, den gebrannten Kindern, kam es darauf an, den absoluten Größen, dem ideologischen Weiß oder Schwarz abzuschwören. Zweifel und Skepsis standen Pate; die Vielzahl der Grauwerte reichten sie uns als Geschenk. Ich jedenfalls habe mir diese Askese auferlegt, um dann erst den Reichtum meiner allzu pauschal schuldig gesprochenen Sprache, ihre verführbare Weichheit, ihren vergrübelten Hang zum Tiefsinn, ihre durchaus biegsame Härte, ja, ihren mundartlichen Schmelz, ihre Einfalt und Vieldeutigkeit, ihre Verschrobenheiten und ihre in Konjunktiven aufblühende Schönheit zu entdecken. Mit diesem wiedergewonnenen Pfund galt es zu wuchern, trotz Adorno oder ermahnt durch Adornos Verdikt. Nur so konnte das Schreiben nach Auschwitz - ob Gedicht oder Prosa - fortgesetzt werden. Nur so, indem sie zum Gedächtnis wurde und die Vergangenheit nicht enden ließ, konnte die deutschsprachige Nachkriegsliteratur die allgemeingültige Schreibregel "Fortsetzung folgt ..." für sich und gegenüber den Nachgeborenen rechtfertigen. Und nur so gelang es, die Wunde offen zu halten und das gewünschte wie verordnete Vergessen durch ein beharrliches "Es war einmal ..." aufzuheben.
Wie oft auch aus diesem oder jenem Interesse der Schlussstrich gefordert, die Rückkehr zur Normalität eingeklagt wurde und die schändliche Vergangenheit als Historie abgelegt werden sollte, die Literatur widersetzte sich diesem so verständlichen wie törichten Verlangen. Zu Recht! Denn jedesmal, wenn in Deutschland die Stunde Null verkündigt, das Ende der Nachkriegszeit ausgerufen worden ist - zuletzt vor zehn Jahren, als die Mauer gefallen war und Deutschlands Einheit auf dem Papier stand -, hat uns die Vergangenheit wieder eingeholt.
Zu jener Zeit, im Februar 1990, habe ich in Frankfurt am Main vor Studenten eine Vorlesung unter dem Titel "Schreiben nach Auschwitz" gehalten. Ich zog Bilanz, legte, Buch nach Buch, Rechenschaft ab. So kam ich zu dem 1972 erschienenen "Tagebuch einer Schnecke". (...) In diesem Buch steht, weil die Definition meines Berufes von meinen Söhnen erfragt wird, die Antwort: "Ein Schriftsteller, Kinder, ist jemand, der gegen die verstreichende Zeit schreibt". Ich sagte zu den Studenten: "Eine so akzeptierte Schreibhaltung setzt voraus, dass sich der Autor nicht als abgehoben oder in Zeitlosigkeit verkapselt, sondern als Zeitgenosse sieht, mehr noch, dass er sich den Wechselfällen verstreichender Zeit aussetzt, sich einmischt und Partei ergreift." (...) Denn jeder Schriftsteller ist in seine Zeit hinein geboren, er mag noch so heftig beteuern, zu früh oder zu spät gekommen zu sein. Nicht er stellt sich selbstherrlich das Thema seiner Wahl, vielmehr ist es ihm vorgegeben. Ich jedenfalls habe nicht frei entscheiden können. Denn wäre es einzig mir und meinem Spieltrieb zufolge gegangen, hätte ich mich nach rein ästhetischen Gesetzen erprobt und so unbeschwert wie harmlos im Skurrilen meine Rolle gefunden. Aber das ging nicht. Widerstände waren da. Aus deutscher Geschichtsträchtigkeit geworfen, lagen Trümmer- und Kadaverberge zuhauf. Diese Stoffmasse, die sich, indem ich sie abzutragen begann, vergrößerte, war nicht wegzublinzeln. (...) Wieviel Zeit hat der Prozess der europäischen Aufklärung von Montaigne über Voltaire, Diderot, Kant, Lessing und Lichtenberg benötigt, um die Funzel der Vernunft in die finstersten Winkel scholastischer Verdunkelung zu tragen.(...) Doch als sie sich dann in aller Helle breitgemacht hatte, war es eine erkaltete, aufs technisch Machbare reduzierte, einzig dem ökonomischen und sozialen Fortschritt verschriebene Vernunft, die sich als Aufklärung ausgab und ihren von Anbeginn zerstrittenen Kindern, dem Kapitalismus und dem Sozialismus, einen vernünftelnden Jargon und den jeweils richtigen Weg zum Fortschritt um jeden Preis eingebleut hatte.
Heute sehen wir, wohin es der Aufklärung genial missratene Kinder gebracht haben. Wir können ermessen, in welch gefährliche Schieflage uns die durch Worte ausgelöste und zeitverschleppt wirkungsvolle Explosion geschleudert hat. Sicher, wir versuchen mit den Mitteln der Aufklärung - denn andere haben wir nicht - den Schaden zu beheben. Entsetzt sehen wir, dass der Kapitalismus, seitdem sein Bruder, der Sozialismus, für tot erklärt wurde, vom Größenwahn bewegt ist und sich ungehemmt auszutoben begonnen hat. Er wiederholt die Fehler seines totgesagten Bruders, indem er sich dogmatisiert, die freie Marktwirtschaft als einzige Wahrheit ausgibt, von seinen schier unbegrenzten Möglichkeiten berauscht ist und verrückt spielt, das heißt, weltweit Fusionen betreibt, die einzig den Profit maximieren. Kein Wunder, dass sich der Kapitalismus, wie der an sich selbst erstickte Kommunismus, als reformunfähig erweist. Globalisierung heißt sein Diktat. Und wieder einmal wird mit dem Dünkel der Unfehlbarkeit behauptet, dazu gäbe es keine Alternative. Demnach ist die Geschichte zu Ende. Kein "Fortsetzung folgt..." darf mit Spannung erwartet werden. Oder ist zu hoffen, dass, wenn schon nicht der Politik, die ohnehin jegliche Entscheidungskraft der Ökonomie überlassen hat, wenigstens der Literatur etwas einfällt, das den neuerlichen Dogmatismus ins Wanken bringt?
Wie aber könnte sich ein solch subversives Erzählen als Dynamit von literarischer Qualität erweisen? Wäre Zeit genug vorrätig, die Wirkung einer Spätzündung abzuwarten? Ließe sich ein Buch denken, dem die Mangelware Zukunft Auslauf böte? Ist es nicht gegenwärtig eher so, dass die Literatur aufs Altenteil verwiesen und den jungen Autoren allenfalls das Internet als Spielwiese eingeräumt wird? (...) Ein kulturbetriebliches Jammertal nimmt die westliche Welt gefangen. Was tun? In meiner Gottlosigkeit bleibt mir einzig übrig, das Knie vor jenem Heiligen zu beugen, der bislang noch immer hilfreich gewesen ist und die schwersten Brocken ins Rollen gebracht hat. Also flehe ich: Heiliger, von Camus' Gnaden nobelierter Sisyphos, bitte, sorge dafür, dass der Stein oben nicht liegen bleibt, dass wir ihn weiterhin wälzen dürfen, auf dass wir wie du glücklich mit unserem Stein sein können und die erzählte Geschichte von der Mühsal unserer Existenz kein Ende findet.(...)
Und sogleich wird mir deutlich, wie wenig bisher alle preisgekrönten Verdienste geeignet waren, die Geißel der Menschheit, den Hunger, aus der Welt zu schaffen. (...) Er nimmt sogar zu. Wo Armut wie angestammt war, schlägt sie in Verelendung um. Weltweit sind Flüchtlingsströme unterwegs; Hunger begleitet sie. Und kein politischer Wille, gepaart mit wissenschaftlichem Können, ist entschlossen, dem wuchernden Elend ein Ende zu setzen.(...) Dieses Thema ist uns geblieben. Dem sich anhäufenden Reichtum antwortet die Armut mit gesteigerten Zuwachsraten. Der reiche Norden und Westen mag sich noch so sicherheitssüchtig abschirmen und als Festung gegen den armen Süden behaupten wollen; die Flüchtlingsströme werden ihn dennoch erreichen, dem Andrang der Hungernden wird kein Riegel standhalten. Davon wird in Zukunft zu erzählen sein. Schließlich muss unser aller Roman fortgesetzt werden. Und selbst wenn eines Tages nicht mehr geschrieben und gedruckt werden wird oder darf, wenn Bücher als Überlebensmittel nicht mehr zu haben sind, wird es Erzähler geben, die uns von Mund zu Ohr beatmen, indem sie die alten Geschichten aufs neue zu Fäden spinnen: laut und leise, hechelnd und verzögert, manchmal dem Lachen, manchmal dem Weinen nahe.
Literaturnobelpreis 1999 Günter Grass |
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| 1927 | 16. Oktober: Günter Grass wird in Danzig geboren. Er wohnt mit seiner Familie in einer Zweizimmerwohnung über dem Kolonialwarenladen der Eltern. |
| 1933-1944 | Besuch der Volksschule und des Gymnasiums in
Danzig Mitglied beim Jungvolk und später bei der Hitlerjugend |
| 1944-1946 | Einberufung zum Luftwaffenhelfer,
Arbeitsdienst, Einberufung zur Panzerwaffe, Verwundung beim Fronteinsatz, Lazarett, bis 1946 bleibt Grass in amerikanischer Gefangenschaft in Bayern |
| 1946 | Arbeit bei Bauern und in einem Kalibergwerk |
| 1947/48 | Steinmetzlehre in Düsseldorf |
| 1948-1952 | Studium der Graphik und Bildhauerei an der
Düsseldorfer Kunstakademie, Reisen nach Frankreich und Italien per Autostopp |
| 1953-1956 | Student an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin bei dem Bildhauer Karl Hartung |
| 1954 | Eheschließung mit der Ballettstudentin Anna Schwarz |
| 1955 | Erste Lesung vor der Gruppe 47 Teilnahme an einem Lyrikwettbewerb des Süddeutschen Rundfunks Erste Veröffentlichung in "Akzente" |
| 1956 | Übersiedlung nach Paris |
| 1956/57 | Erste Ausstellungen von Plastiken und
Graphiken in Stuttgart und Berlin-Tempelhof. Daneben schriftstellerische Tätigkeiten. In
den ersten Jahren bis 1958 entstehen vor allem Kurzprosa, Gedichte und Theaterstücke, die
dem poetischen oder absurden Theater zuzuordnen sind.
"Vorzüge der Windhühner", Gedichte
(1956) Geburt der Zwillinge Franz und Raoul |
| 1958 | Reise nach Polen Uraufführung seines Theaterstückes "Onkel, Onkel" in Köln. Verleihung des Preises der "Gruppe 47" für die Lesung aus dem Manuskript "Die Blechtrommel" |
| 1959 | "Die Blechtrommel", Roman (Verfilmung 1979 von Volker Schlöndorff) |
| 1960 | Rückkehr nach Berlin, "Gleisdreieck", Gedichte |
| 1961 | "Katz und
Maus", Novelle "Die bösen Köche", uraufgeführt in Berlin Geburt der Tochter Laura, Begegnung mit Willy Brandt, Beginn seines Engagements für die SPD |
| 1963 | "Hundejahre", Roman, Berufung an die Akademie der Künste |
| 1965, 1969 und 1972 | Beteiligung an
Wahlkampftourneen für Willy Brandt, (Mitglied der SPD von 1982 bis 1993). Grass äußert sich immer wieder in offenen Briefen oder Reden zu politischen Themen, wodurch er sich über seine schriftstellerische Tätigkeit hinaus Gehör in der Öffentlichkeit verschafft. Grass begleitet seinen Duzfreund Willy Brandt bei vielen politischen Reisen u.a. 1970 nach Warschau, 1973 nach Israel |
| 1965 | Georg Büchner Preis, Preisrede "Über das Selbstverständliche" Geburt des Sohnes Bruno |
| 1966 | "Die Plebejer proben den Aufstand", Theaterstück, Brechts Rolle während des Aufstandes in der DDR am 17. Juni 1953 wird darin thematisiert, Reisen in die USA, in die Tschechoslowakei und nach Ungarn |
| 1967 | "Ausgefragt" Gedichte |
| 1968 | "Brief über die Grenze" Dialog zwischen dem tschechischen Schriftsteller Pavel Kohout und Grass zum Thema Prager Frühling. Fontane-Preis |
| 1969 | "Davor", "Örtlich betäubt" Theaterstücke, Ausdruck seines politischen Engagements. Wahlkampfreisen, Protestaktionen in Ost und West gegen die Notstandsgesetze, den "autoritären Klerikalismus", die "reaktionäre Bundespolitik" und die "Unterdrückung der Freiheit in der DDR". |
| 1972 | "Aus dem Tagebuch einer Schnecke", Erzählung, Grass beschreibt darin seine Erfahrungen beim Bundestagswahlkampf 1969 für die Es-Pe-De, Teilnahme am Bundestagswahlkampf |
| 1974 | Austritt aus der katholischen Kirche aus Protest gegen deren Haltung zur Reform des § 218 StGB, Geburt der Tochter Helene |
| 1975 | Reise nach Indien |
| 1976 | Ehrendoktortitel der Harvard University, Gründung der Zeitschrift L'76 mit Heinrich Böll und Carola Stern |
| 1977 | "Der Butt", Roman, wird im Ausland positiver aufgenommen als in Deutschland, Premio internationale Mondello, Palermo |
| 1978 | "Denkzettel", Politische Reden und Aufsätze 65-76, Stiftung des Alfred-Döblin-Preises, Scheidung von Anna Grass |
| 1979 | "Treffen in Telgte", eine Erzählung, Eheschließung mit Ute Grunert, "Die Blechtrommel" verfilmt von Volker Schlöndorff, Mitarbeit am Drehbuch |
| 1980 | "Aufsätze zur
Literatur" "Kopfgeburten oder sterben die Deutschen aus" |
| 1983 | Präsident der Berliner Akademie der
Künste, "Heilbronner Manifest" von Grass mitunterzeichnet. Schriftsteller, Künstler und Wissenschaftler der in der Bundesrepublik rufen darin öffentlich zur Wehrdienstverweigerung auf. "Die Vernichtung der Menschheit hat begonnen", Rede anläßlich der Verleihung des Feltrinelli-Preises |
| 1986 | "Widerstand
lernen", Politische Gegenreden 1980 - 1983 "Die Rättin" (Verfilmung 1997), Prosaerzählung, "ein apokalyptisches Feature über den Selbstmord der Menschheit" Aufenthalt in Kalkutta (August 86 bis Januar 87) |
| 1987 | Beteiligung an der SPD-Kampagne für die Landtagswahl in Schleswig-Holstein, Werkausgabe in 10 Bänden |
| 1988 | "Zunge zeigen" |
| 1989 | Austritt aus der Akademie der Künste, weil diese aus Sicherheitsgründen eine Solidaritätsveranstaltung für Salman Rushdi verweigert hatte. |
| 1990 | In Zusammenhang mit der deutschen
Wiedervereinigung spricht sich Grass gegen eine "Ruck-zuck-Einheit über den bloßen
Anschlußartikel 23 des Grundgesetzes" aus und wirbt stattdessen für eine
allmählich zusammenwachsende föderalistische deutsche Kulturnation. "Ein Schnäppchen namens DDR", letzte Reden vorm Glockengeläut |
| 1992 | "Unkenrufe", Rede vom Verlust, über den Niedergang der politischen Kultur im geeinten Deutschland |
| 1993 | Aus Protest gegen die Asylrechtsänderung
tritt Grass aus der SPD aus. Ehrendoktorwürde der Universität Gdansk (Danzig) und Ernennung zum Ehrenbürger von Gdansk |
| 1995 | "Ein weites Feld", Roman, der zwischen Mauerbau und Wiedervereinigung spielt und ein Panorama deutscher Geschichte von der Revolution 1848 bis zur Gegenwart zeichnet. |
| 1996 | Grass wird mit dem Sonning-Preis ausgezeichnet, der wichtigsten kulturellen Auszeichnung Dänemarks. Thomas-Mann-Preis der Stadt Lübeck |
| 1997 | 19. Oktober: In seiner Laudatio bei der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an den türkischen Schriftsteller Yasar Kemal richtet Grass heftige Angriffe gegen die Regierung der Türkei wegen ihrer Kurdenpolitik und attackiert auch die Bundesregierung wegen der Änderung des Asylrechts: "Ich schäme mich meines zum bloßen Wirtschaftsstandort verkommenen Landes, dessen Regierung todbringenden Handel zuläßt und zudem den verfolgten Kurden das Recht auf Asyl verweigert." |
| 1998 | Grass, der 1989 aus der Berliner Akademie
der Künste ausgetreten war, wird auf der Frühjahrsversammlung der Akademie wieder
zugewählt. Wahlkampfveranstaltungen für die SPD in Schwerin, Weimar, Jena und Erfurt |
| 1999 | "Mein
Jahrhundert": Für jedes Jahr dieses Jahrhunderts erfindet Grass eine
Geschichte, die jeweils ihren eigenen Erzähler hat. Verleihung des Literaturnobelpreises |
Links zu Günter Grass:
Seite
des Goethe-Instituts über Günter Grass mit vielen Links Kurzbiographie und
ausführliche Bibliographie (UNI Tübingen) |
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